Sehr geehrter Herr Bernig, im Frühjahr dieses Jahres konnte ich Sie bei einem Besuch mit einer 9. Klasse unserer Schule im Landtag persönlich kennen lernen. Dort erhielt ich auch Ihre Visitenkarte. Zwar habe ich Sie schon vorher von einigen Veranstaltungen gekannt, aber im Landtag stellten Sie auch noch mal heraus, wofür Sie sich besonders einsetzen. Unter anderem stehen Sie im engen Kontakt mit der Gewerkschaft der Polizei. Daher denke ich, dass es Sie wohl interessieren wird, wohin die Personalpolitik des Innenministers geführt hat. Ich kann leider keine genauen Namen nennen, da die Person von der ich die Informationen habe, möglicherweise zwangsversetzt werden könnte. Ich weiß auch nicht, ob ich darüber informieren darf, daher bitte ich Sie um Diskretion. Vielleicht können Sie sich mal einen Überblick über die Schichtpläne bei der Polizei in der Leitstelle Potsdam Eiche beschaffen. Mir wurde gesagt,dass die Gewerkschaft diese Pläne ohne weiteres abnickt, was ich nicht glaube, möglicherweise weiß Sie auch nichts davon. In der Leitstelle besteht ein Dreischichtsystem, bei dem die Kollegen einen Dreiwochenplan haben. Dort planen Sie selbst ihre freien Tage, die dann insgesamt in der Schicht durch den Leiter abgestimmt und korrigiert werden. Leider wird es mit der Abstimmung und Korrektur immer später, so dass die Mitarbeiter manchmal erst drei Tage vorher wissen, wie sie in den nächsten drei Wochen arbeiten müssen. Eine Familienplanung ist so kaum möglich. Aber dass ist noch nichts gegen, dass, was die Mitarbeiter im nächsten Monat (August/September) erwartet. Ab dieser Woche müssen ständig 12 Stunden Schichten gemacht werden, in den nächsten Plan sind von vornherein unheimlich viele Überstunden eingearbeitet, wobei sich die Schichtplanung wohl auch noch ständig ändern soll. Angeblich sind im Moment zu wenig Leute da. Die Überstunden schwanken natürlich von Kollege zu Kollege, aber bei einigen kommen schon mal 50 Überstunden zusammen. Es soll auch Mitabeiter geben, die 5-6 12-Stunden Schichten laut Planung haben sollen, d.h. 60-72 Stnden in einer Woche. Als eine weitere Ursache für den Personalmagel sehe ich, dass irgendwann der Innnenminister seine besonders gute Frauenquote bei der Polizei angepriesen hat, was ja erst mal positiv ist, vergessen hat er aber, dass die Frauen, sobald sie schwanger werden, Planstellen besetzten, aber keine Schichten mehr arbeiten dürfen, also die männlich Kollegen dann mit Überstunden die Arbeit mitmachen müssen. Bis neue Leute kommen, dauerte es in der Vergangenheit immer sehr lange. Überstunden haben sich zwar schon immer angehäuft, der Abbau der Überstunden war aber schiwerig. Selbst, wenn im Monatsplan Überstunden abgebaut wurden, kam es meist nicht dazu, weil aus Personalmangel die Mitarbeiter aus dem Dienstfrei geholt wurden. Falls Sie die Personalpolitik bei der Polizei interessieren sollte, sicher ist es in anderen Dienststellen ähnlich, schauen Sie sich mal die Diensten und die Überstunden der Polizisten an, oder lassen die Gewerkschaft mal genauer hinschauen. Mit freundlichen Grüßen Heike S. Hallo liebe Heike S., ich danke Ihnen für diese Informationen. Da ich selbst stellvertretender Vorsitzender der GdP bin, kann ich Ihnen versichern, dass der Gewerkschaft die Probleme sehr wohl bekannt sind und es eines genaueren Hinsehens nicht bedarf. Allerdings hat die GdP diese Probleme nicht zu verantworten, aber sie hat sie skandalisiert und in die Öffentlichkeit gebracht. Seit einiger Zeit Läuft ihre Aktion: "Polizei spricht ihrer Landesregierung das Mißtrauen aus!" Mit vielfältigen Aktionen haben wir die Politik auf die Probleme in der Polizei aufmerksam gemacht! Vielleicht schauen Sie mal auf die Internetseite der GdP Brandenburg: www.gdp.de/Brandenburg. Hier sind viele Aktivitäten und die Forderungen im Landtagswahlkampf dokumentiert. Entscheidender Hintergrund der Misere ist die Personalpolitik des Innenministers. Während er vor den Wahl stets erklärt hat dass es keinen Personalabbau mit der CDU gäbe, hat er hinterher immer das Gegenteil getan. Dabei konnte er sich auch nicht gegen den Finanzminister der SPD Rainer Speer durchsetzen! Die Koalition hat bei ihrer Politik zur Inneren Sicherheit viel Wert auf Technik und neue Arbeitszeitmodelle gesetzt, dabei aber das wichtigste Potential, die Menschen, vergessen. Das drückt sich dann u.a. auch in der nicht zeit- und inhaltsgleichen Übernahme des Tarifergebnisses für die Polizeibeamten aus, so dass diese die "zweitbilligsten" Polizisten in der Bundesrepublik sind. Die LINKE setzt sich vehement für eine Stopp des Personalabbaues ein. Ist aber mit ihren Anträgen dazu im Landtag stets gescheitert! Vielleicht senden Sie ihren Brief auch an den Innenminister, denn der ist der Meinung, dass das "Aufsehen" das die GdP um die Probleme in der Polizei macht, nur das Getöse einiger wild gewordener Gewerkschaftsfunktionäre ist! Mit freundlichen Grüßen Andreas Bernig