26. Juni 2017

Ein interessanter Tag in Teltow

Am 16. Juni 2917 besuchten der Landtagsabgeordnete Dr. Andreas Bernig und der Vorsitzende der LINKEN in Teltow,Reinhard Frank, Betriebe der Stadt. Das heißt wollten sie! Denn von den neun angeschriebenen Betrieben hatten nur drei geantwortet. Einer lehnte die Zusammenarbeit mit der Politik ab, ein weiterer konnte nicht zum Termin und der Dritte hatte zugesagt. Also besuchten wir die Vectron International GmbH in der Potsdamer Straße. Geschäftsführer Andre du Hamel empfing uns freundlich und bat auch die Personalchefin Frau Rosin zum Gespräch. Mit unserer „Einladepleite“ konfrontiert, meine er, dass für ihn Gespräche mit der Politik sehr wichtig seien. Allerdings sei DIE LINKE die erste Partei, die sich freiwillig bei ihm gemeldet habe.

Dann ging es auch gleich in die Geschichte des Betriebes. Vectron ist einer der wenigen Betriebe, die die DDR überlebt haben. Gleich 1990 wurde der Betrieb per so genanntem Management by out aus dem CvO ausgegliedert und vom amerikanischen Konzern übernommen. Die Fortführung hatte geklappt, weil gerade der Handyboom ausbrach und Oberflächenwellenfilter gefragt waren. Die fünf Werke von Vectron hatten keine Marktreputation im Osten aber CvO hatte die Kunden. Viel Geld wurde investiert und es gab auch ein Auf und AB. In der Finanzkrise 2009 und mit dem Zusammenbruch des Telekommarktes wurde es auch für Vectron eng. Und hier lobt Geschäftsführer du Halem die Politik. Durch die Vereinbarungen der Bundesagentur für Arbeit mit den Gewerkschaften zur Kurzarbeit konnte sich der Betrieb halten. Und weil es ein entsprechendes know how gab, konnte man die Filter weiter entwickeln. Sie sind einige wenige cm groß und die Kleinsten sieht man kaum auf der Fingerkuppe. Aber auch neue Märkte mussten erschlossen werden: Medizin, Raumfahrt, globale Navigation in Ost-, West- und Mitteleuropa. Durch die Produktentwicklung im eigenen Hause konnten Nischen erschlossen werden zum Beispiel für Oszillatoren(Schwingungsgeber). Im Internet wird auch mit einem Kampflugzeug geworben und das haben wir dem Geschäftsführer nicht vorenthalten. Er versichert, dass diese Darstellung einen falschen Eindruck vermittelt, da man in der Nachrichtenbrache tätig ist. Er versichert dass Vectron an der Entwicklung von Kampftechnik nicht beteiligt ist, wohl wissend, daß jede technische Entwicklung auch militärisch missbraucht werden kann. Der Insider weiß, dass es leider genau umgekehrt ist – technischer Fortschritt in der Militärtechnik und Raumfahrt wird oftmals in zivile Nutzung überführt.

Wichtig für die Stadt Teltow ist, dass inzwischen der Schwesterbetrieb in Neckarbischofsheim und ein Kölner Betrieb ihre Firmensitze nach Teltow verlegt haben. Also bleiben die Steuern im Lande bzw. in der Stadt. Entscheidend für diesen Schritt – der niedrigere Steuerhebesatz. Da sind wir gleich beim heiklen Thema Niedriglohnpolitik. Die gab es für seinen Betrieb nicht, so du Halem. Aber es gibt auch  jetzt noch leichte Unterscheide zum Westen. Und bezahlt wurde immer am Tarifvertrag orientiert. Es gibt Weihnachtsgeld und einen Kantine, in der das Mittagessen mit 2 € bezuschusst wird. Der Betrieb bildet kontinuierlich aus und die Auszubildenden werden auch übernommen, wie Personalchefin Rosin betont. Aber wenn es auf der Teltower Ausbildungsmesse früher 20 Interessenten gab, so sind es heute 5. Im Übrigen spiele auch die Berlinnähe eine Rolle. Da verzichte auch mal ein Kollege aus dem Westen, der im Monat nicht unter 3000 € nach Hause geht, auf ein paar Euro. Geschäftsführer du Halem treibt noch ein anderes Problem um.Die Schweizer Firma Endress + Hauser AG will seinen gesamten Sitz nach Stahnsdorf verlegen und wirbt bereits aggressiv um 80 Arbeitskräfte.Wird das auch Auswirkungen auf die zukünftige Bezahlung haben? 

Und was ist mit einem Betriebsrat? Das sei wohl nicht einfach in einem amerikanischen Betrieb, so die Besucher? Da kann du Halem kontern, in Neckarbischofsheim gibt es einen. Also die Kolleginnen und Kollegen müssen auch wollen – war die diplomatische Antwort der Gesprächspartner.

Nach über einer Stunde Gespräch kommt das Angebot auch die Produktionsstätten – zumindest die Zugänglichen – zu besichtigen. Das schlagen die Besucher natürlich nicht aus. Erst glaubten sie gar nicht, dass sich in diesem Gebäude mit DDR-Charme staubfreie und klimatisierte Produktionsräume mit hochmodernen Automaten befinden. Also rein in die  Sicherheitsmontour und es kann losgehen.

Ein überaus interessanter Tag, wie alle Beteiligten versicherten und mit dem Austausch der Visitenkarten besiegelten – man werde sich wieder sehen!

 

Dr. Andreas Bernig