20. April 2017

Was Grimm´s Märchen mit Afghanistan zu tun haben – ein Besuch bei den Kreismeistern im Hallenfußball in Damsdorf

Am 20.04. 2017 besuchten  die Kreisvorsitzende DIE LINKE Astrit Rabinowitsch, der Landtagsabgeordnete Dr. Andreas Bernig und Kreisgeschäftsführer Ronald Kurtz das Märchendorf Damsdorf. Hier wurden seit 2015 insgesamt 27 unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge überwiegend aus Afghanistan im Auftrag der Jugendhilfe durch die Homaro GmbH betreut.

Engagiert berichtet der innenwohnende Heilpädagoge Lutz Rehbein über seine jetzt 10 Schützlinge. Zwei befinden sich  im Vorbereitungsjahr für die Ausbildung zum KfZ-Mechatroniker in Lehnin und in Damsdorf, vier Jugendliche gehen in Lehnin zur Schule und vier lernen am OSZ in Werder. Um gleich mit bekannten Vorurteilen aufzuräumen verweist Lutz Rehbein darauf, daß alle den gleichen Unterstützungssatz erhalten wie auch deutsche Kinder, die sich in der Obhut der Jugendhilfe befinden. Die Jugendlichen kommen nicht aus Jux und Dallerei nach Deutschland. Wenn man ihre Geschichten hört, bekommt man Gänsehaut, sagt Lutz Rehbein. Zwei haben schon mit 12 Jahren als Näher gearbeitet. Betreut werden alle Jugendlichen inzwischen von ehrenamtlichen Vormündern. Jeder hat sein eigenes Zimmer, die nach Märchen und Geschichten gestaltet sind. So haben wir das Westernzimmer, das Prinzenzimmer und das Indianerzimmer gesehen. Als wir so miteinander reden, kommt Tischler Stefan Koßmehl vorbei. Er renoviert und repariert gerade den Spielplatz. Die Jugendlichen helfen ihm dabei auch weil gerade Ferien sind. Auf diese Art erfahren sie etwas von Holz- und Metallbearbeitung und Trockenbau haben sie auch schon gemacht. Von Anfang an haben die Jugendlichen mitgeholfen. Sogar ihre Betten haben sie selbst mit gebaut und auch zum ersten Mal einen Schneemann moduliert. Jeder hat eine Tagesaufgabe vom Geschirrspüler füllen über Küche aufräumen oder Müll rausbringen. Am Sonntag werden die Zimmer aufgeräumt und sauber gemacht. In einem Veranstaltungsraum der auch Heimkino ist, über Fitnessräume bis zum Fußballplatz, den die Jugendlichen in Zusammenarbeit mit den deutschen im Haus wohnenden Jugendlichen in der vorigen Woche auf Vordermann gebracht haben, haben sie vielfältige Freizeitmöglichkeiten. Aber das wichtigste ist das Fußballspielen! Die Heiminsassen haben eine eigene Fußballmannschaft, die in der Kreisklasse  A und B-Jugend spielt und bei der Spielgemeinschaft Lehnin/Damsdorf angesiedelt ist. Befragt nach  Problemen, sagt Lutz Rehbein diplomatisch, wir haben eine eigene Mannschaft und wer Probleme mit Ausländern hat, der darf auch keine Bundesliga mehr gucken. Hauptsponsor der Mannschaft ist das Autohaus Weinreich und den Rollrasen für den Fußballplatz hat die Firma Strodhoff&Behrens Rollrasen Inh. Holger Hildach gesponsert. Stolz zeigen einige der Jungs uns ihre Pokale der Winterhallen Saison und vom Kreismeister im Hallenfußball bis zum besten Torwart, besten Spieler und besten Torschützen. Zur Zeit stehen sie im Halbfinale zum Kreispokal.

Am nächsten Wochenende nehmen die Jugendlichen an der 48-Stunden-Aktion „Freiwillig, Engagiert, Verändern“ vom Landjugend e.V. teil. Schirmherr sind Günter Baaske und Jörg Vogelsänger.

Lutz Rehbein sagt, wir sind ein offenes Haus. Den Veranstaltungsraum nutzt die Diabetikerselbsthilfegruppe um Christine Reinhardt, die Rentner von Damsdorf machen Veranstaltungen und die Jungs aus Afghanistan machen dann auch schon mal ein Kulturprogramm mit afghanischen Liedern. Am Wochenende kommen oft junge Familien mit ihren Kindern.

Und dann zeigt uns Lutz Rehbein das Märchendorf.  Wir staunen! Von über 200 Grimm’schen Märchen sind bis jetzt 86 selbst nachgestaltet. Nebenbei erfahren wir, dass eine Frage zum Märchen “Von dem Mäuschen, Vögelchen und der Bratwurst“ eine 500.000 €-Frage bei Günter Jauch war. Ein Spielplatz, ein Teich mit Koikarpfen, an dem sich auch der Grillplatz befindet, Kaninchen, Wellensittiche, Truthähne und ein Pfau komplettieren das Märchendorf. Wir sind beeindruckt und sind uns einig: der nächste Besuch mit den Enkelkindern findet im Märchendorf statt.

Lutz Rehbein zeigt sich überzeugt - unsere Jugendlichen sind integriert. Dankend nennt er Namen von Unterstützern, wie Ortsvorsteher Kevin Bolz, Zahnarzt Andreas Wenger, Hartmut Vogel,Timo Wessel, Holz-Wilde, die Schulen uvm. Rund um die Uhr steht er den Jugendlichen zur Verfügung und er sagt, das Leuchten in den Augen der Jugendlichen ist der Dank für die Arbeit! Befragt nach offenen Wünschen oder wo es hakt, meint er: Alles gut!...

Aber unsere Jugendlichen „schrotten“ ständig ihre Handys, ein notwendiger Kontakt zu ihren Familien…

Also wenn Jemand ein nicht mehr gebrauchtes Smartphone hat, dann DANKE.

Wir bedanken uns für die freundliche Führung und das Gespräch und vergessen nicht den vielen ehrenamtlichen Helfern Danke zu sagen.

Wer sich weiter informieren möchte kann das unter www.maerchendorf-damsdorf.de tun. 

 

von Dr. Andreas Bernig